Schloss Schwetzingen - Schloss mit einzigartigem Schlossgarten

Schloss und Schlossgarten Schwetzingen

Im Nordwesten von Baden-Württemberg, in der Nähe von Mannheim und Heidelberg, liegt die Stadt Schwetzingen, die für ihr Schloss und den dazugehörigen Schlossgarten weltbekannt ist. Jedes Jahr finden im Schloss die Schwetzinger Festspiele und alle zwei Jahre das Lichterfest statt.

Das Schloss Schwetzingen zählt heute zu den landeseigenen Monumenten des Landes Baden-Württemberg und wird von der Einrichtung Staatliche Schlösser und Gärten Baden-Württemberg betreut. Der Garten ist gegen Eintritt öffentlich zugänglich, Schloss und Theater können im Rahmen von Führungen besichtigt werden.

Erste urkundliche Erwähnung und mehrfache Zerstörung

Das 1350 erstmals urkundlich erwähnte Schloss Schwetzingen diente vor allem den pfälzischen Kurfürsten Karl Philipp und Karl Theodor als Sommerresidenz. Im Jahr 1427 kam es in den Besitz des Kurfürsten Ludwig III und wurde in der Folgezeit mehrfach umgebaut. Gegen Ende des Dreißigjährigen Kriegs wurde es zerstört. Für seine Geliebte Luise von Degenfeld ließ Kurfürst Karl Ludwig das Schloss wieder aufbauen. Angestoßen hatte er den Wiederaufbau während eines Besuchs in Schwetzingen im Sommer 1656. Den Einwohnern wurde befohlen den Schutt des zerstörten Schlosses wegzuräumen, wobei diese die Trümmer behalten und selbst verwenden durften.

Während des neunjährigen, vom französischen König Ludwig XIV. provozierten Pfälzischen Erbfolgekriegs (1688–1697), wurde das Schloss erneut zerstört. Dabei blieben die Grundmauern des Gebäudes erhalten.

Wiederaufbau und Erweiterung ab 1697

So wie das Schloss heute da steht, geht es auf den in Düsseldorf regierenden Kurfürsten Johann Wilhelm zurück. Geleitet vom Grafen Matteo Alberti wurde das Schloss ab dem Jahr 1697 unter dem Heidelberger Baumeister Johann Adam Breunig wieder errichtet und durch den Anbau der beiden Flügelbauten deutlich erweitert.



55 Jahre später – im Jahr 1752 – wurde der Garten erweitert und das Schlosstheater eröffnet. Am Garten wurde in den folgenden Jahren ständig weiter gearbeitet und das trotz der Verlegung der Residenz des Kurfürsten Karl Theodor von Mannheim nach München im Jahr 1778.

Das Schloss und auch der Schlossgarten sind weltweit berühmt für ihre zahlreichen Kunstwerke und die Gestaltung. Daran beteiligt waren fast alle am Mannheimer Hof beschäftigten Künstler. Zu den bekanntesten unter ihnen gehörten Peter Anton von Verschaffelt und Alessandro Galli da Bibiena. Während der Zeit Karl-Theodors war der Lothringer Nicolas de Pigage Intendant der Gärten und Wasserkünste und der maßgebende Architekt. Er erweiterte den Garten in allen Stilrichtungen der damaligen Zeit. Das Hauptparterre und der Zirkel des französischen Gartens wurde durch den Zweibrücker Hofgärtner Johann Ludwig Petri geplant. Als erster Hofgärtner nach Schwetzingen berufen wurde der Kassler van Wynder. Sein nachfolger wurde einer der Hauptmitarbeiter Pigages – Johann Wilhelm Sckell. Erster badischer Gartenbaudirektor war Johann Michael Zeyher, durch den der Flieder nach Schwetzingen gebracht wurde.

Naturtheater

Das Naturtheater ist eines der wenigen Gartentheater, die heute noch erhalten sind und bei dem die Tribünen und die Bühne aus Hecken oder Rasenterrassen bestehen. Geschaffen wurde das Naturtheater von Nicolas de Pigage zwischen 1761 und 1775. Der tiefer gelegene Zuschauerraum wird von sechs Sphinxfiguren umrandet, die auch von Peter Anton von Verschaffelt gebaut wurden.

Über dem Naturtheater throhnt der prächtige Apollotempel.

Apollotempel

Gelegen über dem Naturtheater steht auf einem künstlichen Felsen ein kleiner, offener Rundtempel mit runder Kuppel. Darunter steht eine von Peter Anton von Verschaffelt geschaffene Skulptur des Apollo. Apollo als der Gott des Lichts, der Heilung, des Frühlings galt auch als Beschützer der Künste und der Musik. Zum Tempel gelangt man über verschiedene Treppen, die auch unter dem Tempel in dunklen Gängen hindurchführen. Diese unregelmäßige Wegeführung soll symbolisch für den anstrengenden Weg des Menschen ans Licht der Erkenntnis stehen.

Apollotempel im Naturtheater (Schloss Schwetzingen)

Apollotempel im Naturtheater (Schloss Schwetzingen)

Das Ende der Welt

Wenn die Schwetzinger vom Ende der Welt sprechen, dann meinen Sie damit das „Perspektiv“, welches den Abschluss des Badhausgartens bildet. Das Perspektiv ist eine Art Gang, an dessen Ende eine optische Täuschung dafür sorgt, dass man zwar auf ein Gemälde blickt, aber das Gefühl hat, in eine Flusslandschaft zu blicken.

Das Ende der Welt in Schwetzingen

Das Ende der Welt in Schwetzingen

Badhaus

Highlight ist sicherlich das grottenartige Badezimmer. Dort sieht man eine große und tiefe Marmorbadewanne, die in den Boden eingelassen wurde. Das Wasser kam durch zwei Schlangenköpfe in die Wanne und wurde nebenan in der Badhausküche aufgewärmt. Der Stuck und die Halbedelsteine an den Wänden sorgen für den Eindruck einer Grotte.

Carl Theodor von der Pfalz

Unter der Regierung des Kurfürsten Carl Theodor, der von 1724 bis 1799 lebte, entstand das Schwetzingen als einmaliges Gesamtkunstwerk. Er war ein gebildeter Herrscher, der sich sehr offen für die Ideen der Aufklärung zeigte. Gleichsam war er ein großer Förderer der Wissenschaft und der Kunst. So war es Carl Theodor, der die Mannheimer Akademie der Wissenschaften gründete. Das ebenfalls von ihm aus der taufe gehobene Hoforchester wurde als „Mannheimer Schule“ wegweisend in der Musik.

Zwischen 1762 und 1775 entstand der Schlossgarten mitsamt Naturtheater, Apollotempel oder dem Badhaus unter Carl Theodors Ägide.

Skulpturen von Peter Anton von Verschaffelt

Wandelt man durch den Schwetzinger Schlossgarten, so findet man zahlreiche Skulpturen, die zu einem großen Teil vom flämischen Bildhauer Peter Anton von Verschaffelt (1710 – 1793) stammen. Von Verschaffelt war bevor er nach Schwetzingen kam von 1737 – 1751 in Rom und von 1751 – 1752 in London und Mannheim tätig. In Mannheim wirkte er ab 1758 als Akademiedirektor.

Zu seinen beeindruckendsten Werken in Schwetzingen gehören die Figur des liegenden Flussgottes Donau sowie die wasserspeienden Hirsche am Kreisparterre, die Veerschaffelt zwischen 1766 und 1769 geschaffen hat.

Bildquellen: Eigene Bilder und Pixabay (Luftbild, Schloss 1, Zirkelbau, Schloss 2, Schloss 3, Rote Moschee, Wandelgang Rote Moschee)